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Hilfsgütertransport nach Resita im Banater Bergland

in Rumänien vom 15. - 21.4.2007

durch AWO-Südwest und Kleinmachnow

 

Zum vierten Mal fahren wir nach Resita. Ziel ist ein Alten, - Pflege- und Behindertenheim mit insgesamt 230 Bewohnern. Geleitet wird es von Herrn Pavel Fistea, dem Direktor des Centru de Ingrijire si Asistenta.

Die Fahrzeuge sind voll beladen mit: Bettwäsche, Kitteln, medizinischen Geräten, Geschirr, Rollstühlen, Schreibmaterial, Werkzeug, ja sogar drei Kinderwagen (für die jungen Mitarbeiter im Heim). Anfangs sind wir zu dritt: Jürgen und Gunter von der Arbeiterwohlfahrt-Südwest und Gisela von der AWO Kleinmachnow. Ich, auch Mitglied von der AWO-Südwest, komme aus Kaufbeuren und steige in Deggendorf dazu.

Durch Österreich geht es bis Ungarn, wo wir übernachten.

Am nächsten Morgen - früh 'raus. Die Grenze von Rumänien muss überschritten werden. Wie läuft es mit dem Zoll, nachdem Rumänien Mitglied in der EU ist?

Im Süden Ungarns ist die Autobahn zu Ende. Landstraße, Lastwagen - nervig! Endlich ist die Grenze da. „Hilfsgüter?" „Ja!" „Gute Reise!" Das war der Zoll! So sind wir in den 16 Jahren seit dem wir nach Rumänien fahren, noch nie abgefertigt worden

Am Ortseingang von Resita erwartet uns Herr Kremm, Redakteur bei der Banater Zeitung, ein Teil der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".

Er lotst uns durch die 75000 Einwohner zählende Industriestadt mit ihren Plattenbauten, verfallenen Werkshallen, Straßenbahnen und Schlackehalden, der über hundertjährigen Verhüttung von Eisen. Heute hat ein russisches Werk die Arbeit übernommen mit Lärm und Umweltverschmutzung.

In einem heruntergekommenen Außenbezirk befinden sich die Gebäude der Einrichtung von „Herrn Pavel". Wie ein Schmuckkästchen liegen sie da, mit den neu gedeckten Dächern und dem frischen Grün der Wände, in einer kleinen Grünanlage.

Kaum, dass unsere Fahrzeuge das Eisentor passieren, ist eine Aufregung im Heimbereich. Beim Aussteigen schlägt uns ein herzlicher Empfang entgegen, wie bei alten Freunden, Händeschütteln hier, Umarmungen da, Deutsch hier, Rumänisch da. Das Sprachproblem löst sich schnell, als der „Herr Direktor" mit seiner Sekretärin erscheint. Die junge Rumänin, ebenso Herr Kremm, dolmetschen im fließenden Deutsch. Nach dem Bezug der Zimmer, wartet ein üppiges Abendessen auf uns und das Programm für den nächsten Tag wird besprochen.

Am nächsten Tag sind genügend hilfreiche Hände anwesend, die beim Entladen und sortieren der Güter in einzelne Zuwendungsbereiche zugreifen.

Anschließend werden die Einrichtungen des Hauses samt Personal in Küche, Wäscherei, Massageraum, Sportgeräteraum, Zahnstation, Arztbereich, Speisesaal und vor allem die Zimmer der älteren Menschen aufgesucht. Wir werden unglaublich freundlich begrüßt und teilweise in Deutsch angesprochen. Es werden Fotos von früheren Fahrten verteilt, wobei der Gedanke wieder aufkam, mit deutschsprachigen Bewohnern einen Briefwechsel zu führen.

Dabei erfahren wir, dass für 120 nicht lauffähige Personen, die Wäsche mit fast 6 Tonnen Waschmittel im Jahr gewaschen wird. Ein großes Problem der Heimbewohner ist die Inkontinenz. Insofern freut man sich über die Bettwäsche, die wir mitbringen. Ein Vorteil wären Gummiunterlagen(Laken) als Matratzenschoner, was zur Zeit nicht erhältlich ist.

Große Wünsche sind: Medikamente, Rollstühle, Gehhilfen und Rollatoren.

Nachmittags geht es mit Herrn Kremm und unterrichtsgeeignetem Material zum Gymnasium.

Die Direktorin zeigt uns die Klassenzimmer. Ein Schulgebäude aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts mit veralten Unterrichtsräumen, Turnhalle, Unterrichtsmaterial, aber neuer Heizung und neuem, einfachen Physiksaal. Die Tafeln in den Klassenzimmern sind sicherlich aus der Zeit der „Feuerzangenbowle", nicht klappbar, nicht verschiebbar. Die Schule liegt in der Nähe des Lärm und Dreck verbreitenden Stahlwerks. Neue Fenster verhindern eine weitere Belästigung der früheren Jahre. Aber sonst eine ärmliche schulische und räumliche Ausstattung.

Am folgenden Tag besuchen wir das Behindertenheim in der näheren Ortschaft Secu. Das Heim, in dem überwiegend geistig behinderten Menschen leben, wird ebenfalls von Herrn Fistea betreut. Es ist eine umgebaute „Villa" mit einer Zimmerbelegung von sechs Personen. Wieder erfahren wir eine herzliche Begrüßung und Aufnahme. Die Bewohner wollen uns möglichst alles zeigen, wo sie wohnen und was sie können. Eine ergreifende Situation, dass man von einigen Heimbewohnern wieder erkannt wird, weil man sie schon einmal besucht hat.

Zum Abschied gibt es von uns für die Pflegestation noch eine Waschmaschine. Der Kauf erfolgt in einem Kaufhaus, kein Problem, wenn man Geld hat. Sie wird innerhalb von wenigen Stunden geliefert und installiert.

Für uns neigt sich auch dieser Tag dem Ende zu, wie auch unsere Rumänienfahrt. Verlassen werden wir Resita und das Heim mit seinen Bewohnern und einem Direktor, der dankbar ist über jede Art von Hilfsgütern, mit denen er Geld einsparen kann.

Wir erlebten die Notwendigkeit die Hilfsbedürftigkeit zu lindern. Mit unserem Beitrag können Gelder freigesetzt werden, um wichtige, nützliche Anschaffungen zu erledigen. Der Dank, der herzliche Empfang und die liebevolle Betreuung haben alle Strapazen der Fahrt vergessen lassen.

Zu unserer Überraschung erhielten wir die örtliche Tageszeitung, in der über unseren Hilfstransport in Rumänisch berichtet wurde (das tut zusätzlich gut).

Und Pavel meint: „Ihr seid jeder Zeit herzlich willkommen". Es stehen im Heim zwei Zimmer für sechs Freunde zur Verfügung!

 

Ditmar Rohde